Digitalisierung im Handel: Umsatzmotor mit großem Zukunftspotenzial

Die Digitalisierung der Wirtschaft hat längst den Einzelhandel erreicht. Doch viele Retailer zeigen sich hierzulande vergleichsweise passiv, wenn es darum geht, ihr Geschäft auf das neue Einkaufsverhalten ihrer Kunden auszurichten. Dabei gibt es so viele Wege für Shops wie nie zuvor, Innovationen voranzutreiben und für eine Kostenoptimierung im Einzelhandel zu sorgen. Lesen Sie, wie es aktuell mit der Digitalisierung im Handel aussieht, welche Chancen Multichannel-Retailing für Sie bietet und was die Zukunft für den Gesamtmarkt bereithält.

Deutsche Retail-Branche mit Optimierungsmöglichkeiten

37 Prozent der Handelsunternehmen nutzen die Digitalisierung inzwischen in ihrer Geschäftsstrategie, so eine Studie von techconsult im Auftrag der Deutschen Telekom. Das sind zwar 12 Prozent mehr als im Jahr 2016, doch im Umkehrschluss bedeutet das Ergebnis: 63 Prozent aller Einzelhändler in Deutschland verzichten nach wie vor weitgehend auf die digitale Transformation ihres Geschäftsmodells. Dadurch laufen sie Gefahr, von innovativeren Konkurrenten abgehängt zu werden.

Zudem verkaufen mehr als die Hälfte der Händler in Deutschland ihre Waren nur über Ladengeschäfte und lassen die Chancen des E-Commerce ungenutzt. 37 Prozent davon möchten in den nächsten fünf Jahren zusätzlich ins Internet-Geschäft einsteigen. Ein Drittel der Einzelhändler betreiben einen Online-Shop. Nur 11 Prozent setzen ausschließlich auf E-Commerce. Dabei ist das Online-Business der wichtigste Wachstumsfaktor des Einzelhandels.

Die Entwicklung des Marktes zeigt klar in Richtung E-Commerce. Im Jahr 2025 wird einer Untersuchung zufolge jeder vierte Non-Food-Kauf über das Internet abgewickelt. Und selbst der Verkauf von Lebensmitteln, der bislang weitgehend über Ladengeschäfte abläuft, bietet großes Potenzial für die digitale Transformation. Anbieter wie Rewe oder Amazon Fresh zeigen mithilfe von Apps und flexiblen Versandoptionen schon heute, wie das gesamte Food-Business von morgen aussehen könnte.

Bessere Kundenbeziehungen und mehr IT-Sicherheit

Die Digitalisierung im Handel rückt den Kunden zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses von Shop-Betreibern. Das Kaufverhalten lässt sich dank vielfältiger Datenauswertungen über CRM-Systeme und Cloud-Werkzeuge wesentlich genauer analysieren als früher. Auch die vielen Touchpoints des Omnichannel-Retailing liefern eine Fülle an spannenden Informationen über die Kundschaft.

Als Händler können Sie Ihre Angebotspalette exakt auf die Kundenwünsche ausrichten und jedem Käufer ein individuelles Einkaufserlebnis bieten. So optimieren Sie Ihren Kaufprozess und die Kundenbeziehungen gleichermaßen.

In den letzten Jahren hat sich zudem viel bei den Themen Datenschutz und IT-Sicherheit getan, für die Unternehmen ein immer größeres Bewusstsein zeigen. Das stärkt das Vertrauen der Kunden und bildet ein wichtiges Fundament für alle weiteren Innovationsmaßnahmen.

Die Digitalisierung als Umsatztreiber

Die große Mehrheit der Anbieter, die digitale Kundendatenbanken und Cloud-Dienste verwenden, berichten von effizienteren Betriebsprozessen. Aufgaben lassen sich schneller erledigen und flexibler über die verschiedensten Endgeräte wie Smartphone oder Tablet koordinieren.

Auch die Kostenoptimierung im Einzelhandel ist eine Folge der immer ausgefeilteren IT-Serviceangebote. Cloud-Infrastrukturen ermöglichen Händlern, Online-Anwendungen beliebig zu skalieren. Wegen des Pay-per-Use-Prinzips werden so die IT-Kosten minimiert. Außerdem bleibt der Händler stets flexibel und kann – je nach individuellem Bedarf – zwischen leistungsstärkeren und kostengünstigeren Angeboten wechseln.

66 Prozent aller Händler melden höhere Einnahmen, seitdem sie Cloud-Lösungen nutzen. Noch mehr Unternehmen (71 Prozent) konnten ihren Umsatz mithilfe digitaler Kundendatenbanken steigern. Auch eine eigene Website wirkt verkaufsfördernd: Drei von vier Ladeninhabern berichten von einem Umsatzwachstum durch die Internetpräsenz.

Seamless Shopping, Omnichannel Retailing und Dynamic Pricing

Der deutsche Handel befindet sich erst am Anfang des digitalen Umbruchs. Bereits verbreitete Angebote wie Click and Collect, über die Kunden Waren online bestellen und in der Filiale des jeweiligen Anbieters abholen können, sind nur der Beginn einer umfassenden Transformation des Handels.

Internationale Konzerne wie Amazon machen mit eigenen Logistikdiensten und sprachgesteuerten Einkaufsassistenten für Zuhause vor, welches riesige Innovationspotenzial die Digitalisierung im Handel bietet. Auch eine Kostenoptimierung im Einzelhandel ist so möglich. Diverse Trends des Seamless-Shoppings könnten die Customer Journey gewaltig verändern:

  • Conversational Commerce: Sprachassistenten wie Amazon Echo oder Google Home ermöglichen ganz neue Formen der Kundeninteraktion und -bindung. Auch Messenger-Dienste setzen auf natürliche Sprache, um Verbraucher während des Einkaufs schnell und einfach zu unterstützen.
     
  • Last-Mile-Solutions: Der letzte Streckenabschnitt eines Produkts zum Kunden hält für Sie als Händler nach wie vor großes Optimierungspotenzial bereit. Die Auslieferung von Paketen am gleichen Tag oder sogar innerhalb einer Stunde sind Beispiele dafür, was im urbanen Bereich schon heute machbar ist. Zudem werden Zukunftsmodelle wie autonome Lieferdrohnen bereits getestet.
     
  • Omnichannel-Retailing: Kunden sind es längst gewohnt, sich Informationen zu Produkten über mehrere Kanäle wie Online-Shops und Social Media zu besorgen. Anbieter nutzen sowohl Ladenpräsenzen als auch digitale Kanäle, um Verbraucher anzusprechen und zur Interaktion zu bewegen. Die aktuelle Herausforderung für Händler besteht darin, ein kanalübergreifendes Nutzungserlebnis zu erzeugen. Alle Kanäle müssen optimal aufeinander abgestimmt sein und die richtigen Inhalte für alle Etappen der Customer Journey liefern.
     
  • Dynamic Pricing: Der Preis eines Produkts ist keine starre Größe mehr, sondern orientiert sich dynamisch an vielen verschiedenen Faktoren. Dazu zählen Kundendaten, Konkurrenzangebote, der Verkaufsort, die Tages- oder Jahreszeit, aktuelle Veranstaltungen und sogar das Wetter. Dank der Fülle an verfügbaren Daten werden zukünftig immer schnellere und präzisere Preisanpassungen möglich sein.
     
  • Modular Retail: Die Interaktion mit Waren und die sofortige Verfügbarkeit von Produkten aller Art zählen zu den Vorteilen von Ladengeschäften. Darüber hinaus gibt es viele weitere Mittel, um das Einkaufserlebnis vor Ort aufzuwerten. Shop-in-Shop-Varianten für bestimmte Marken oder bei Neuvorstellungen etwa regen die Neugierde der Kunden an. Auch Bonusangebote wie Infoscreens oder Mietoptionen für ausgesuchte Artikel stimulieren das Interesse Ihrer Kunden.

Die Richtung stimmt, aber es gibt noch Nachholbedarf

Die Pleiten von einstigen Big Playern wie Praktiker, Quelle oder Schlecker machten in den letzten Jahren etwas deutlich: Wer keine wirkungsvollen Lösungen für den E-Commerce und die Digitalisierung im Handel entwickelt, wird es gegenüber besser aufgestellten Konkurrenten zunehmend schwer haben. Diverse Händler in Deutschland reagieren bereits mit Multichannel Retailing und anderen Strategien auf die Herausforderungen der digitalen Transformation. Doch die Branche muss sich noch stärker erneuern, um den gestiegenen Kundenbedürfnissen gewachsen zu sein.

Hoffnung machen viele Online-Pure-Player, die sich innovativ und auf Augenhöhe mit internationalen Wettbewerbern zeigen. Das lässt ein großes Seamless-Shopping-Potenzial für den gesamten deutschen Markt erkennen.

CTA: In Zukunft wird ein weiterer Faktor große Auswirkungen auf das Einkaufserlebnis haben: Künstliche Intelligenz. Erfahren Sie in unserem Leitfaden „Einstein – Künstliche Intelligenz (KI) für den Handel“, wie Sie die Customer Journey ganz ohne Datenwissenschaftler personalisieren.

Search terms must be at least 3 characters long